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IRONMAN 70.3 Kraichgau 2019
Anna, Ursula, Daniel, Patrick und ich im Land der 1000 Hügel...



Der alte Mann und ein verrückten Plan...
...ich war schon aufgeregt, als ich begonnen habe die Sachen für meine erste Mitteldistanz, den IRONMAN 70.3 in Kraichgau zu packen. Schon Tage vorher habe ich jeden Wetterbericht auf fast jeden TV Sender genauestens studiert und analysiert. Sonne satt und Temperaturen an die 30° Grad wurden prognostiziert. Irgendwie freute ich mich, denn was gibt es schöneres als ein Wettkampf bei fast idealen Bedingungen.

Wenn da nicht gewisse Zweifel wären. Auf was habe ich mich da nur eingelassen, schaffe ich das wirklich? Es gab kein zurück mehr, denn ich Knallkopp musste es ja im Vorfeld jeden Bekannten und Freund erzählen, dass ich 1,9km schwimmen, 90km Rad fahren und 21km laufen muss. "Wie das alles? - am Stück?" wurde dann immer gefragt. "Jo, alles hintereinander wech" antwortete ich. Ich musste da jetzt durch, ob ich wollte oder nicht.

02.06.2019 | Bad Schönborn

Finish-Line

Mein Focus lag auf eine Krafteinteilung beim Rad fahren. Wenn ich das schaffe, schaffe ich auch noch die 21km laufen. Über das schwimmen habe ich mir keine all zu großen Gedanken gemacht. Nur, dass ich schnell ein guten und ruhigen Rhythmus finden muss und den Beinschlag auf das Minimum reduziere. Soweit die Theorie.

Die Anreise mit Anna und Daniel am Freitag war locker fröhlich und ich vergaß meine Nervosität. Vor dem einchecken im Hotel holten wir unsere Startunterlagen und wir schlenderten über das EXPO Gelände. Die ersten Erinnerungen wurden gekauft, denn einen IRONMAN, wenn auch nur einen 70.3 macht man nicht alle Tage. Ich war richtig Stolz dabei zu sein und ich belohnte mich vorab schon mal mit einem IRONMAN T-Shirt und einer passenden Baseball Cap. Wir trafen Ursula die allein angereist war. Da Sie Sonntag direkt nach dem Wettkampf wieder Richtung Heimat aufbrechen muss, war eine gemeinsame Anreise mit uns nicht möglich, denn wir blieben bis Montag und das war auch gut so.

Den Freitag ließen wir dann bei einem leckeren Italiener mit einer richtig geilen Pizza ausklingen.


Am Samstag vor dem Frühstück liefen wir eine kleine Runde um das Hotel, um nach Tagen der Regeneration wieder ein Laufgefühl zu bekommen. Nach dem Frühstück wurden dann auch die Bike's einige Kilometer bewegt um evtl. Mängel auszuschließen. Die Wechselbeutel wurden gepackt und die Bike's im Bulli verstaut. Anschließend fuhren wir Richtung EXPO Gelände zur Wettkampfbesprechung und im Anschluß daran weiter zum Hardtsee.

Der Hardtsee entstand vor ca. 70 Jahren durch Kiesabbau und gehört heute mit zu den saubersten Seen Deutschlands.

Hier trafen sich am heutigen Samstag nach der Besprechung alle Starter zum Checkin der Räder und zur Abgabe der Wechselbeutel (Bike und Run). Wir hatten Badesachen mit und wollten natürlich Wasser fühlen. Das Ufer war schon gut durch den normalen Badegast besucht und nun kamen noch 100te von Agegroupern, die auch planschen wollten. Egal... rein in den See und eine kleine Runde ohne Neo gedreht..... geil war's.


Die letzte Nacht war die schlimmste

Die Definition "unruhig geschlagen" wurde von mir neu überarbeitet. Es war die Hölle, nicht nur weil es in meinem Hotelzimmer unangenehm warm war, sondern auch weil ich ungewollt den Triathlon im Kopf immer und immer wieder durchspielte. Ich, der erst seit ca. 4 Jahren Sport betreibt, der vor 18 Monaten noch nicht einmal Kraulen konnte, macht mit 51 Lebensjahren noch diesen "kranken Scheiss"

Ich war dann auch früh auf und stolperte im Halbschlaf zum Frühstück. Anna und Daniel hatten die Ruhe weg. Ich war erstaunt, was alles in Daniel seine Futterluke passt. Ich schaffte gerade mal ein Vollkornbrötchen und ein Schälchen Müsli. Nachdem Frühstück brachen wir Richtung Hardtsee auf um in der Wechselzone das Bike nochmal durch zu checken und die Wasserflaschen zu füllen. Die Flasche am Unterrohr befüllte ich kompl. mit Gel und die anderen beiden Flaschen hinter am Sattel befüllte ich mit Maltodextrin gemischt mit Grapefruit-ISO. Auch das Hydroblade Trinksystem vorn im Lenker wurde so befüllt. Dann wurde es Ernst. Noch 30min bis zum Rolling-Start. Anna, Daniel und ich zogen unsere Neo's an und gaben dann den letzten (After-Race) Beutel ab. Wir hielten immer Ausschau nach Ursula, denn Sie nächtigte nicht mit uns zusammen, sondern direkt in Bad Schönborn. Keine Chance der Kommunikation untereinander, denn wir hatten unsere Handys im Auto gelassen.

Um 9:00 Uhr starteten die Profis. Erst die Männer und 5min danach die Frauen. Bevor wir überhaupt ein Fuß ins Wasser stellen durften, waren die Profis schon fertig. Jan Frodeno pflügte in 22min mit einer Pace von 1:12min/100m durchs Wasser. Krass... Diese Pace schaffe ich nicht einmal kurzzeitig und wenn dann auch nur bergab mit ordentlich Rückenwind. Ich hörte dann noch aus den Lautsprechern, dass bei den Profis die schnellste Frau den langsamsten Mann im Wasser überholte. Ab 9:15 waren wir dann dran, die Altersathleten oder auch Agegrouper genannt. Alle 5sec. starteten fünf Athleten (Rolling-Start) Kein Getümmel und kein Gedränge beim Start... herrlich.

Jetzt war ich mittendrin und Rückzug war keine Option mehr. Das Wasser fühlte sich gut an und ich war schon nach ein paar Metern zuversichtlich, dass ich den Ausstieg nach 1,9km erreichen werde. Nach der 1. Markierungsboje schaute ich nach vorn und suchte die nächste Boje. Na das klappt ja bestens dachte ich mir. Mit der nächsten Boje im Blick ging es weiter. Irgendwann fiel mir auf, dass niemand mehr neben mir war, dass mich niemand überholte oder an den Füßen kitzelte. Ich bremste ab und schaute aus dem Wasser um mich zu orientieren. Schock!! Ich war weit ab vom Kurs. Ich schwamm minutenlang in die falsche Richtung. Ich habe eine Boje, die mitten im See verankert war und die für mich auf der 1,9km Distanz absolut keine Rolle spielte angepeilt. Ich musste hart Backbord einlenken um den Anschluss wieder zu bekommen. Dieses Missgeschick hat mich mehrere Minuten gekostet. Was soll's dachte ich mir, es gibt schlimmeres. Den Rest der Strecke klemmte ich mich an irgendwelchen fremden Beine und schwamm nur noch hinterher.



Der 1. Wechsel klappte halbwegs...
Den Neo unter Adrenalin auszuziehen ist schon eine Herausforderung. Der Griff zum Bike-Beutel und der Lauf in's Wechselzelt mit halb runter gelassenen Neo klappte auch, nur aus den Beinen kamen ich nicht auf Anhieb raus. Ich hatte in diesen Moment auch keine allzu große Kraft in den Armen, um mit den Händen das ausziehen irgendwie zu beschleunigen. Endlich war ich befreit und es ging weiter. Ein Athlet auf der Bank neben mir hatte die Ruhe weg. Er cremte sich in aller Ruhe ein, trillerte dabei ein Lied und hielt mir dann seine Flasche Sonnencreme unter die Nase... "auch was?" sagte er. Oh Keufner...an alles hast Du gedacht, aber dass die Sonne Dir unbarmherzig das Fell verbrennt hast du irgendwie verschlafen. Meine Sonnencreme war im falschen Beutel, sie war im After-Race-Beutel und den gibt es erst im Ziel. Ich bedankte mich herzlichst bei Ihm und alles, was jetzt an blanker Haut zu sehen war wurde eingecremt.

Der Griff zum Rad und das Aufsatteln verlief dann problemlos. Ich bin auch super in die Schuhe gekommen die ja schon eingeklickt am Rad waren. Ich fühlte mich richtig gut und ich glaubte sogar, dass ich die verlorene Zeit vom eincremen wieder gut machen würde.

Ungefähr bei Kilometer 70 überholte ich mit einem freundlichen "klingeling" auf den Lippen Anna und mir schoss durch den Kopf, dass ich doch gut im Rennen bin. Denn Anna hatte schon 2018 mit einer guten Zeit (5:51:07) in Kraichgau gefinisht und hatte auch danach eine Langdistanz erfolgreich absolviert.

Dann passiert das, womit ich nicht gerechnet habe. Mein rechter Oberschenkel meldete sich und krampfte leicht. Ich schaltete sofort zwei Gänge runter, hohe Trittfrequenz bei geringer Belastung sollte das Problem schnell lösen. Es funktionierte auch, aber ab jetzt hieß es wirklich "Kräfte einteilen" denn ich musste ja noch 21km Laufen. Anna überholte mich dann wieder und zog auf und davon.

Der zweite Wechsel klappte nicht so gut!!
Die Räder wurden uns von Helfern abgenommen und der Lauf in die Wechselzone und das suchen meines Beutels klappte eigentlich ganz gut. Ich musste dringend aus meiner Hose und erst auf's Dixi und dann umziehen war in diesem Moment die falsche Reihenfolge. Was soll's... Socken und Schuhe an, Beutel abgeben und ab aufs Tö... äh Dixi.

Bämm... meine Brille, wo war meine Brille? Im Beutel natürlich. Ich rief der Beuteltante hinterher, dass ich nochmal meine Tüte brauche. Der lag zwischenzeitlich mit geschätzten 20 anderen Beuteln auf einer Schubkarre und wurde abtransportiert. "Welche Nummer" rief Ursel und kam mit der Karre langsam zurück. Ich nenne die freundliche Dame mal Ursel, weil sie eine starke Ähnlichkeit mit meiner Tante Ursel hat, "2408" schrie ich zurück. Sie suchte eine gefühlte Ewigkeit, aber ich war froh, dass Sie das überhaupt machte. An dieser Stelle möchte ich allen Helfern, ob groß oder klein ein MEGA großen Dank aussprechen... ihr wart SPITZE!

Mit der Brille auf der Nase ab auf's "Dixi"
Alles in allem hat mich dieser 2. Wechsel 9min gekostet. Das waren mindestens 5min zu viel. Jetzt kam der böse Teil, meine Lieblings Disziplin. Raus auf die Straßen von Bad Schönborn. Es lief gut, zu gut. Es dauerte nicht lange und die ersten Duschen zum Abkühlen tauchten auf, denn die Sonne brannte unbarmherzig. Fast jeder Anwohner hatte seine Gardena Gartendusche vorn an die Straße vorverlegt und berieselte jeden der wollte mit kühlem Nass. Ich ließ keine Dusche aus und vielleicht war das mein Fehler. Ich hatte mir schon nach kurzer Zeit heftige Blasen gelaufen und musste schon ab Kilometer 4 die ersten Gehpausen einlegen. Unter beiden Füßen im Vorfußbereich und an der Innenseite der Ferse hatte ich mir übergroße unansehnliche Blasen gelaufen. Ich quälte mich nur noch. Ein Ordner wollte mich schon aus dem Spiel nehmen, weil er annahm, dass ich ein Kreislaufproblem habe. Bergauf musste ich gehen und im flachen konnte ich die Schmerzen gerade so ertragen. Als ich die dritte Runde anfing war mir klar, dass ich den IRONMAN finishen werde, egal wie mies die Zeit auch wird.




Anna und Daniel waren schon lange im Ziel und machten sich langsam Sorgen, denn ich war zeitlich schon überfällig. Mit einer Zeit von 7:20:17 rettete ich mich ins Ziel und ich muss gestehen, ich hatte Tränen in den Augen, nicht nur vor Schmerzen. Ich war so Happy beide zu sehen und zu umarmen. Beide haben eine gute Zeit hingelegt. Anna in 6:24:03 und Daniel in 5:44:18. Ursula die nach uns ins Wasser ging, musste mich beim Laufen irgendwo überholt haben und erreichte das Ziel in grandiosen 6:23:36



  Swim WZ-1 Bike WZ-2 Run Total
 Daniel 00:35:57 00:03:12 02:57:22 00:03:51 02:03:57 05:44:18
 Ursula 00:41:45 00:06:18 03:24:12 00:04:14 02:07:09 06:23:36
 Anna 00:38:11 00:02:44 03:30:33 00:04:31 02:08:06 06:24:03
 Ingo 00:47.58 00:06:49 03:18:16 00:09:36 02.57:42 07:20:17
 Patrick 00:38:58 00:02:35 00:57:39  --   --   -- 


Zum Vergleich:
Jan Frodeno finishte in 3:53:06

Patrick musste das Rennen leider nach einem Sturz mit dem Rad welcher glücklicherweise nicht bei vollem Renntempo passierte, sondern bei einer Verpflegungsstation mit Verdacht auf Bänderriss in der Schulter aufgeben. Regen und Sonnenschein liegen so nah beieinander - gerade in einem IRONMAN...

Ich für meinen Teil werde meine Zielzeit von 7:20:17 nicht so stehen lassen.
Nächstes Jahr werde ich wieder in Kraichgau dabei sein, beim IRONMAN 70.3

versprochen....


Es fehlen Ursula und Partick

Unsere Sponsoren und Partner:


Orthopädie-Fachgeschäft Burkhard Hübner | SEHENSWERT-Kontaktlinsen und Brillen
Fischer Druck GmbH | Jedes Training zählt | Fahrradgarage-Gleichen

21.06.2019 - Ingo K.



 

 

Letztes Update: 21.06.2019  © 2018-2019 by RSC Göttingen e.V.